Dosierung · Wissenschaft

Wie viel Kollagen pro Tag?

Die kurze Antwort: zwischen 2,5 g und 15 g, je nachdem, ob es sich um spezifische bioaktive Peptide oder unspezifisches Kollagenhydrolysat handelt. Die lange Antwort verdient drei Minuten Ihrer Zeit.

17. Juni 2026 8 Min. Lesezeit Quellen: 7

Die Frage nach der richtigen Tagesdosis Kollagen ist die häufigste, die im deutschsprachigen Raum gestellt wird — und gleichzeitig diejenige, auf die im Internet die widersprüchlichsten Antworten existieren. Manche Hersteller empfehlen 2,5 g, andere 20 g. Wer hat recht?

Die Antwort liegt nicht in der Marketing-Abteilung, sondern in den klinischen Studien. Und die zeigen ein deutlich klareres Bild, als es auf den ersten Blick scheint.

Die zwei großen Familien: bioaktive Peptide vs. Hydrolysate

Bevor wir über Dosen sprechen, muss eine Unterscheidung klar sein. Auf dem Markt existieren zwei grundlegend unterschiedliche Produktkategorien:

1. Spezifische bioaktive Kollagenpeptide (BCP): Markenrohstoffe wie Verisol®, Peptan® oder Naticol®, die nach einem definierten Verfahren auf bestimmte Molekulargewichte und Peptidsequenzen optimiert wurden. Diese Rohstoffe werden in klinischen Studien typischerweise in Dosen von 2,5 g bis 10 g pro Tag getestet.

2. Unspezifisches Kollagenhydrolysat: Standardisiertes Kollagen ohne spezifisches Peptidprofil. Hier liegen die in Studien verwendeten Dosen höher, typischerweise 10 g bis 15 g pro Tag, um vergleichbare Effekte zu erreichen.

Ein 2,5-g-Produkt mit Verisol® ist also nicht „weniger" als ein 10-g-Produkt mit Standard-Hydrolysat. Es ist anders konzipiert. Die Vergleichbarkeit auf reiner Gramm-Basis ist irreführend.

Was die Studien tatsächlich zeigen

Für Hautelastizität

Die viel zitierte Studie von Proksch et al. (2014) am Universitätsklinikum Kiel verwendete 2,5 g Verisol® über 8 Wochen und zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung der Hautelastizität bei Frauen über 35 Jahren um durchschnittlich 7 %.[1]

Asserin et al. (2015) testeten 10 g Peptan® über 12 Wochen und beobachteten eine Steigerung der Hautfeuchtigkeit um 28 % und eine Verbesserung der Kollagendichte in der Dermis.[2]

Ein systematisches Review von Choi et al. (2019) in JDD analysierte 11 randomisierte kontrollierte Studien und kam zu folgendem Schluss: Dosen zwischen 2,5 g und 10 g pro Tag über mindestens 8 Wochen zeigten konsistente positive Effekte auf Hautelastizität, -feuchtigkeit und Faltenbildung.[3]

Für Nägel

Hexsel et al. (2017) untersuchten 25 Probandinnen, die 2,5 g spezifische bioaktive Kollagenpeptide über 24 Wochen einnahmen. Ergebnis: 12 % schnelleres Nagelwachstum, 42 % weniger eingerissene Nägel.[4]

Für Haare

Die Datenlage ist hier dünner. Kollagen liefert Aminosäuren (vor allem Glycin, Prolin, Hydroxyprolin), die theoretisch der Haarstruktur zugutekommen können. Ein direkter Effekt auf Haarwachstum oder -dicke ist in randomisierten Studien jedoch nicht überzeugend belegt. EFSA hat für Kollagen keine zugelassene Health Claim für Haare. Marken, die das behaupten, bewegen sich rechtlich auf dünnem Eis (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006).

Was wirklich für Haarstruktur zugelassen ist: Biotin. EFSA-zugelassene Aussage gemäß Verordnung 432/2012: „Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei." Deshalb ist Biotin häufig in seriösen Kollagenprodukten kombiniert.

Die Mathematik der Tagesdosis

Wer auf Nummer sicher gehen will und das volle Spektrum an Studieneffekten möchte, orientiert sich nicht an der Untergrenze, sondern an der Studienevidenz für unspezifische Hydrolysate. Diese liegt bei:

10–15g
Kollagenpeptide / Tag

Das ist die Dosis, bei der die meisten peer-reviewten Studien mit Standard-Hydrolysaten messbare Effekte auf Hautparameter zeigen. Für ein Produkt ohne spezifischen Markenrohstoff ist das die ehrliche Untergrenze für Wirksamkeit.

Warum 5 g problematisch sein können

Viele Discounter-Produkte enthalten 5 g pro Portion. Das ist eine Marketing-Dosis: hoch genug, um auf der Verpackung „mit Kollagen" zu schreiben, niedrig genug, um Margen zu maximieren. Wissenschaftlich liegt diese Dosis in einem Niemandsland: zu wenig für unspezifische Hydrolysate, ohne die Konzentration an bioaktiven Sequenzen eines Markenrohstoffs.

Wenn Sie auf der Verpackung 5 g sehen und kein Markenrohstoff (Verisol®, Peptan®, Naticol® o. ä.) erwähnt wird — fragen Sie sich: auf welcher Studienbasis basiert diese Dosierungsempfehlung?

Maximale Dosis: Gibt es eine Grenze nach oben?

Kollagenpeptide werden als sicher eingestuft. Studien haben Dosen von bis zu 20 g pro Tag über mehrere Monate ohne signifikante Nebenwirkungen untersucht.[5] Die EFSA hat keine Tageshöchstmenge festgelegt. Theoretische Bedenken existieren bei sehr hohen Dosen wegen der Eiweißbelastung der Niere — relevant ist das nur bei vorbestehender Niereninsuffizienz.

Für den durchschnittlichen Verbraucher liegt der praktische „Sweet Spot" bei 10 bis 15 g pro Tag. Darüber hinaus zusätzliche Mengen einzunehmen, hat keinen klar belegten Zusatznutzen.

Die Tageszeit-Frage

Eine der häufigsten Folgefragen lautet: Wann sollte man Kollagen einnehmen — morgens, abends, vor dem Sport? Die ehrliche Antwort: Es ist nahezu egal. Es existiert keine peer-reviewte Studie, die einen klaren Vorteil einer bestimmten Tageszeit zeigt.

Was zählt, ist tägliche Konstanz. Die Effekte aus den oben zitierten Studien sind kumulativ und erfordern 8 bis 24 Wochen kontinuierliche Einnahme. Eine Routine, die sich leicht durchhalten lässt — etwa der morgendliche Kaffee oder Smoothie — schlägt jede „optimale" Tageszeit, die nicht zum Alltag passt.

Zusammenfassung in einem Satz

Für nachweisbare Effekte auf Haut und Nägel sind 2,5 g bioaktive Peptide aus klinisch getestetem Markenrohstoff oder 10 bis 15 g unspezifisches Kollagenhydrolysat pro Tag die wissenschaftlich begründete Antwort — über mindestens 8 Wochen, besser 12.

Alles unter 2,5 g (selbst bei Markenrohstoff) oder unter 10 g (bei unspezifischem Hydrolysat) ist eine Marketing-Dosis, keine Wirksamkeits-Dosis.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Kollagen sollte man pro Tag einnehmen?
2,5 g bis 10 g spezifische bioaktive Peptide oder 10 g bis 15 g unspezifisches Kollagenhydrolysat — basierend auf den klinischen Studien, die positive Effekte auf Haut, Nägel und Hautfeuchtigkeit gezeigt haben.
Sind 5 g Kollagen am Tag genug?
5 g liegen unter der in den meisten Wirksamkeitsstudien verwendeten Dosis. Effekte sind möglich, aber wissenschaftlich nicht so robust belegt wie bei 10 bis 15 g pro Tag (bei unspezifischen Hydrolysaten) oder bei spezifischen Markenrohstoffen ab 2,5 g.
Kann man zu viel Kollagen nehmen?
Studien haben bis zu 20 g pro Tag ohne signifikante Nebenwirkungen untersucht. Die EFSA hat keine Tageshöchstmenge festgelegt. Eine klassische Überdosierung ist nicht dokumentiert. Bei vorbestehender Nierenerkrankung sollte vor der Einnahme ein Arzt konsultiert werden.
Wann ist die beste Tageszeit für Kollagen?
Es gibt keine wissenschaftlich belegte beste Tageszeit. Tägliche Konstanz über 8 bis 24 Wochen ist wichtiger als der Einnahmezeitpunkt.
Sollte man Kollagen mit Vitamin C kombinieren?
Vitamin C wird vom Körper für die endogene Kollagenbildung benötigt — das ist eine EFSA-zugelassene Aussage. Die Kombination ist daher sinnvoll. Viele seriöse Kollagenprodukte enthalten Vitamin C bereits.
In diesem Sinne

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Quellen

  1. Proksch E. et al. (2014). Oral Supplementation of Specific Collagen Peptides Has Beneficial Effects on Human Skin Physiology. Skin Pharmacology and Physiology, 27(1), 47–55.
  2. Asserin J. et al. (2015). The effect of oral collagen peptide supplementation on skin moisture and the dermal collagen network. Journal of Cosmetic Dermatology, 14(4), 291–301.
  3. Choi F.D. et al. (2019). Oral Collagen Supplementation: A Systematic Review of Dermatological Applications. Journal of Drugs in Dermatology, 18(1), 9–16.
  4. Hexsel D. et al. (2017). Oral supplementation with specific bioactive collagen peptides improves nail growth and reduces symptoms of brittle nails. Journal of Cosmetic Dermatology, 16(4), 520–526.
  5. Bilek S.E., Bayram S.K. (2015). Fruit juice drink production containing hydrolyzed collagen. Journal of Functional Foods, 14, 562–569 — Sicherheitsbewertung.
  6. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 — Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
  7. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 — Health-Claims-Verordnung.

Hinweis: Dieser Artikel ist redaktioneller Natur. Bei spezifischen gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte einen Arzt oder Apotheker. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise.